Drücken Sie eine Taste… nein, nicht diese!

Ich stellte es letztens schon mal im Bekanntenkreis fest: Typologen sind ein besonderer Menschenschlag. Da wird stundenlang über die Laufweite von Schriften oder die Größe von Serifen (das sind die kleinen Füßchen an den Buchstaben, ich sag das jetzt mal so; gibt immer ein, zwei, die nicht sofort geschaltet haben) diskutiert. Das ist nicht jedermanns Sache, sicher, aber irgendwer muß es ja machen. Und ich finde es großartig, zumal wenn dabei meine neue Lieblingsschriftart Vollkorn rumkommt.

Außerdem gibt es – leider – viel zu viele Beispiele dafür, daß diverse Menschen quer durch alle Gesellschaftsschichten hier einige Nachhilfelektionen nötig haben. Dazu gehören dummerweise auch solche Mitbürger, die ihr Geld damit verdienen, Sprache zu gestalten. Und hier kommen wieder die Typologen ins Bild: Ich lernte soeben auf typografie.info, daß URLs wie „Hersteller MINUS Service PUNKT D-E“ nicht nur werbetechnisch ungeschickt formuliert klingen; nein, es gibt einen richtigen Unterschied zwischen einem Minus und einem Bindestrich (der da ja eigentlich hinkäme).

Man hört es fast täglich – so oder so ähnlich: »Weh Weh Weh, Deutsche Minus Bahn Punkt De-Eh«. Eine fast schon philosophische Subtraktion. Was erhält man, wenn man den Deutschen ihre Bahn wegnimmt? Ein Land der Auto- und Fahrradfahrer? Vielleicht.
Die säuselnde Werbestimme will uns natürlich keine Mathematikaufgaben stellen, sondern uns dazu bewegen, im Internet einen bestimmten Domain-Namen aufzurufen. Dafür einen mathematischen Operator zu benutzen ist nicht nur aus sprachlicher Sicht äußert bedenklich. Haben Sie jemals versucht, eine solche Adresse mit einem Minus-Zeichen, Gedankenstrich etc. aufzurufen? Es funktioniert nicht. Denn neben Leerzeichen und Eszett stehen auch Minuszeichen bzw. Gedankenstrich auf der Tabu-Liste der Domainnamen-Spezifikationen. Der einzige Strich der erlaubt ist, ist der Bindestrich. Und genau den geben wir ja auch instinktiv ein, selbst wenn uns jemand etwas von einem »Minus« erzählt. Sollte man dann nicht auch gleich Bindestrich sagen, wenn dieser gemeint ist? Ja, genau das sollte man!
Quelle

Um es noch deutlicher zu sagen, hier gleich noch ein Zitat, aus der allwissenden Wikipedia:

Bei der Angabe von Internetadressen wird oft fälschlicherweise von „Minus“ statt „Bindestrich“ gesprochen, etwa „www Punkt Q Minus 21 Punkt de“ für „www.q-21.de“, um eine klare und leichtverständliche Unterscheidung zum Schrägstrich zu haben, welcher ebenfalls in URLs vorkommen kann. Das kommt daher, dass auf Computertastaturen und im ASCII-Zeichensatz nur das Zeichen „Bindestrich-Minus“ (U+002D) vorhanden ist, welches oft anstelle der korrekten Zeichen „Bindestrich“ (U+2010) und „Minus“ (U+2212) Verwendung findet. Das Zeichen Bindestrich-Minus ist jedoch der einzige Strich, der im Domainteil von URLs möglich ist.
Aus dem Wikipedia-Artikel über das Minus

Und wäre es wirklich so schlimm, in Radiospots von „Bindestrich“ statt „Minus“ zu reden, wenn man sich damit so manches Sprachunglück ersparen kann?

Aber wo wir schon dabei sind: Das Apostroph hat es noch schwerer. Viele Leute wissen, daß es dieses Zeichen gibt, manche sogar daß es im Englischen als Genitiv benutzt wird (wenn auch nicht alle); die wenigsten benutzen es richtig. Und meist ist es gar kein Apostroph, der da bemüht wird, sondern ein vergewaltigter Akut-Akzent. Damit kann man sogar sehr schöne, weil originelle, Werbemaßnahmen verhunzen: Freenet hat dieser Tage eine Kampagne auf der Domain iphone.de gestartet. Dumm nur, daß die Verantwortlichen meinen Eintrag nicht gelesen haben:

iphone

Dabei ist die Idee wirklich schön. Erstmal kann Apple nämlich wenig machen, denn Freenet besitzt die Wortmarke schon eine geraume Weile.

Schön

ApostrophVollkorn hat übrigens auch einen Apostroph, einen sehr schönen. Also schnell Alt+Shift+# gedrückt und da ist er:

That’s all folks.
(oder Thats all folk’s, sucht’s Euch au’s)

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3 Kommentare

Eingeordnet unter Blaues Auge

3 Antworten zu “Drücken Sie eine Taste… nein, nicht diese!

  1. Name (required)

    Wie wär’s denn mit ’nem hübsch zweisilbigen „Divis“ anstelle des Bandwurmwortes „Bindestrich“?

  2. Hach, dass mir mal jemand aus der Seele sprechen würde hinsichtlich dieser furchtbaren Unart „Minus“ hatte ich im Leben nicht mehr erwartet. Dabei bekomme ich jedes Mal Pickel, wenn ich das höre!

  3. Pingback: GROẞARTIG « Blaue Realität

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