Zugig hier…

oder: Wirf mir mal das WLAN-Kabel rüber!

Letzten Dienstag war der große Tag. Seit Wochen schreiben die einschlägigen Blogs über Vorbereitungen, vor der Halle campende Menschen, Gerüchte und derlei mehr. Und das alles nur, weil Steve Jobs auf der Macworld Expo geredet hat. Als er das letztes Jahr tat, hat er das iPhone enthüllt und tagelang waren alle Medien voll davon. Amerikanische Radiosender hievten stundenlange Expertengespräche über dieses Gerät ins Programm und eigentlich beschäftigt es uns ja heute noch. Unwahrscheinlich, daß das mit den diesjährigen Vorstellungen auch so sein wird, aber nett sind sie schon…

Die Keynote ist auf Apple.com online und kann in schickem HD in voller Länge angeschaut werden. Der Oberste Rollkragenträger stellt darin neue iPhone- und iPod touch-Software vor; eine Verbesserung, oder besser noch: eine Umgestaltung von Apple TV; die Möglichkeit, Filme über iTunes auszuleihen; eine externe Festplatte mit eingebauter WLAN-Station namens „Time Capsule“ und das neueste Mitglied der Apple-Notebookfamilie: MacBook Air. Alles das ist wird wohl niemanden der die angesprochenen Blogs in den letzten Wochen gelesen hat, wirklich überrascht haben. Über Movie Rentals in iTunes war schon lange gemunkelt worden; leider haben erstmal nur US-Kunden diese Möglichkeit. Die neue Soft- und Firmware war ebenso absehbar, auch wenn der Funktionsumfang wie immer nicht bestätigt war. Time Capsule ist neu für mich, aber keine Neuerfindung des Rads, wenn auch eine nette Idee. Zu haben leider erst ab Februar und für 299€ in der 500GB-Version (399€ für 1TB). Apple TV wird endlich vom iPod ohne Display zum Fernsehgerät-Accessoire mit optionalem Computer-Anschluß, was schön ist.

„MacBook Air“ wurde schon seit Tagen als Name des langerwarteten Subnotebooks aus dem Apfelhause gehandelt, aber der Name ist erstmal nur schwer zu interpretieren. Tatsächlich ist das Notebook ein Freund der Lüfte, insofern die Luft das Gegenteil des Kabels ist (100 Meter WLAN-Kabel für irgendwen?). Das neue MBA hat nur zwei externe Anschlußmöglichkeiten: Eine einzelne USB-Buchse und einen extrakleinen Micro-DVI-Anschluß. Netzwerkkabel, Firewire, Modem und ähnliches findet nur über Adapter Platz, wenn überhaupt. Dafür verbindet sich das MBA über Wi-Fi (812.11 n) und Bluetooth 2.1 mit allem was funkt. Sogar mit PCs, deren optisches Laufwerk es nach Installation einer Software als eigenes nutzen kann. Ganz schön clever, ein Notebook ohne DVD-Laufwerk zu verkaufen und das auch noch als großen Wurf anzupreisen.

Und ansonsten: 13,3″ Display; schönerweise mit LEDs, unschönerweise in glänzend. Intel Core 2 Duo Prozessor und 2GB RAM, also auf der Höhe der Zeit. Normal dimensionierte Tastatur, womit dieser Rechner sogar zur primären Maschine seines Benutzers werden kann. 80GB Festplatte oder alternativ ein 64GB Flashspeicherlaufwerk, das aber mit einem Preis von knapp 1000$ nicht wirklich eine realistische Option darstellt (Seine Steveness nannte es „pricey“). Extrem dünnes Gehäuse, mit sexy Schwingung im geschlossenen Zustand. Und leicht ist es: Keine 1,3kg und damit so unmerklich, daß ich Sorge hätte, es in einer größeren Tasche zu transportieren, aus Furcht, diese einmal zu heftig aufzustellen.

Fazit: Wer ein ultraportables Notebook mit langer Akkulaufzeit sucht, ist mit dem MacBook Air sicher gut bedient. Studenten in einer WG oder Menschen in einem Haushalt wo es noch einen größeren Rechner im Haus gibt, können das MBA auch als ihren einzigen Rechner verwenden und werden damit fehlende Rechen- oder Laufwerkskapazität nicht missen. Klassische Büroaufgaben und leichtere Bildbearbeitung sollte das MacBook Air problemlos handhaben können, es lädt also gerade dazu ein, in Hörsäle mitgenommen zu werden und bei Referatsgruppen die Blicke aller Teilnehmer auf sich zu ziehen. Für Menschen mit anspruchsvolleren Programmen ist es wohl eher ein Zweitgerät, eine Ergänzung zum „vollwertigen“ Mac am Schreibtisch. Dafür allerdings hat es einen zu hohen Preis.

1699€ für das kleinere Modell sind für Studenten eine ganze Menge; für andere Menschen wohl auch. In seinem Segment ist der Preis konkurrenzfähig, vielleicht sogar im Wortsinn preiswert, aber nicht eben leicht erschwinglich. Das „normale“ MacBook, mit ähnlichen Rechenwerten und gleichgroßem Display, aber größer und deutlich schwerer, schlägt mit fast 800€ weniger zu Buche und damit viel eher im Budget von Otto Normaltipper. Bis zum MacBook-Redesign muß man sich damit aber im Hörsaal die mitleidigen Blicke auf das ehemals so angesagte weiße Plastikgehäuse gefallen lassen.

Aluminium ist das neue Weiß und ein Notebook auf der Höhe der Zeit ist so dünn, daß man mit der vorderen Kante Gurken schneiden kann.

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Blau ist eine Farbe, Schuss ins Blaue

Eine Antwort zu “Zugig hier…

  1. …ein Notebook auf der Höhe der Zeit ist so dünn, daß man mit der vorderen Kante Gurken schneiden kann.

    Sehr schön gesagt. :)
    MBA = Schweizer Cupertino-Messer?

    Ich schätze, die PC-DVD-via-WLAN-Lösung zielt genau auf Leute wie mich: PC-Menschen, die so langsam keinen Bock mehr auf Windows & Co haben. „Komm, putt, putt, putt…“ das ist ziemlich gerissen.
    Angesichts der (schlechten) Haltbarkeit von optischen Medien greift Apple hier wieder mal vor auf die Zeit, in der Speicher vor allem auf Flash und auf HDs im Netz genutzt werden wird. Solange es noch kein Speichermedium für’s Regal gibt, das es auch nur annähernd mit der Haltbarkeit von Papier aufnehmen kann, ist das absolut weitsichtig, den ersten Schritt weg von der optischen Platte zu wagen, um so endlich Akkulaufzeiten und (mit den Flash-„Platten“ der Zukunft) Stoß- und Magnetfeldempfindlichkeiten in den Griff zu bekommen.

    Mir fehlt allerdings so etwas wie ein Kartenschlitz (SD, MMC, whatever) – der hätte bestimmt noch reingepasst und so zumindest ein Wechselmedium zur Verfügung gestellt.

    Mich würde vor allem interessieren, ob die WLAN-Verbindungen zu PCs wirklich so einfach und problemlos klappen, wie Jobs das behauptet hat.

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